Badminton beim TSV - Learning by Doing

Es gibt für alle Sportarten individuelle Trainingskonzepte, die die Lernenden auf ihre bestmöglichen Einsätze in der betreffenden Sportart vorbereiten sollen. Dabei gibt es naturgemäß sehr unterschiedliche Schwerpunkte. So ist es z.B. für den Fußballspieler völlig unerheblich, ob er gut Schwimmen kann und für den Schwimmer sind seine Dribbelkünste nur in den seltensten Fällen in irgendeiner Weise entscheidend für den Ausgang eines Wettkampfes.

 

Daher macht man sich so seine Gedanken, wie Anfänger am besten und umfassendsten für die Sportart ihrer Wahl ausgebildet, vorbereitet und trainiert werden sollen. Es gibt Fachliteratur zu diesem Thema, und für jede Sportart findet man Regalmeterweise Ratgeber, die kaum noch Wünsche offenlassen.

 

Nur für Badminton, da kommt man schnell an seine Grenzen. Hier ein berühmtes Zitat eines Fachmannes: 

„Ein Badmintonspieler sollte verfügen über die Ausdauer eines Marathonläufers, die Schnelligkeit eines Sprinters, die Sprungkraft eines Hochspringers, die Armkraft eines Speerwerfers, die Schlagstärke eines Schmiedes, die Gewandtheit einer Artistin, die Reaktionsfähigkeit eines Fechters, die Konzentrationsfähigkeit eines Schachspielers, die Menschenkenntnis eines Staubsaugervertreters, die psychische Härte eines Arktisforschers, die Nervenstärke eines Sprengmeisters, die Rücksichtslosigkeit eines Kolonialherren, die Besessenheit eines Bergsteigers sowie über die Intuition und Phantasie eines Künstlers. Weil diese Eigenschaften so selten in einer Person versammelt sind, gibt es so wenig gute Badmintonspieler.“ – Martin Knupp: Yonex-Badminton-Jahrbuch 1986

 

…und da sieht man schon, wo die Schwierigkeiten liegen:

Wir haben nun mal keine Staubsaugervertreter, Arktisforscher oder Sprengmeister, die unsere Anfänger ausbilden können. Künstler, Schmiede und Bergsteiger befinden sich ebenfalls zurzeit nicht in unserer Gruppe. Also mussten wir uns ein völlig neues Trainingskonzept ausdenken. Und genau das haben wir auch getan.

 

Unsere Lösung heißt:

 

LEARNING BY DOING

 

Und sie ist ebenso genial wie einfach: hier zwei Beispiele:

 

1. Stell dir vor, du hast noch nie Badminton gespielt, vielleicht höchstens mal ein bisschen Federball am Strand gepickert und du weißt noch, dass es dir Spaß gemacht hast. Jetzt möchtest du ausprobieren, ob das eine Sportart für dich ist, du hast irgendwo etwas über diese supernette Truppe vom TSV Travemünde gelesen, die Samstagsvormittags Badminton anbietet und jetzt möchtest du es wissen: ist das was für mich? Du gehst also samstags so gegen 10.00 Uhr hin und triffst auf eine kleine Gruppe hochmotivierter Menschen aller Altersklassen, was gut ist, denn du könntest ja schließlich auch irgendwas zwischen 14 und 75 sein. Man erkennt, dass du neu bist und es findet sich auch schnell jemand, der dir einen ordentlichen Schläger leiht, sich nach deinem Erfahrungsstand erkundet und der dich dann einfach in irgendein seiner Meinung nach passendem Team steckt, wo du sofort mitspielen wirst. Die Regeln werden dir während des Spiels an passender Stelle schrittweise erklärt und wenn du ein Spiel durchhältst, hast du schon mal deinen richtigen Anfangslevel gefunden. Fliegen dir die Bälle nur so um die Ohren, ohne dass du eine Ahnung hast, was hier überhaupt passiert, dann nimmt dich jemand anders an die Hand und du spielst in einem anderen Team auf niedrigerem Level, aber auch dort wirst du schrittweise weiter ausgebildet, bis du die Regeln kennst. Dann werden dir, sofern irgendwo ein freies Feld ist, wiederum schrittweise ein paar Tricks gezeigt und wenn du nach deiner ersten Stunde nach Hause gehst, werden dir zwar eine Menge Muskeln zeigen, dass du bisher noch überhaupt nichts von ihrer Existenz geahnt hattest, aber du wirst glücklich sein und dich auf nächsten Samstag freuen.

 

2. Stell dir vor, du hast schon mal irgendwo Badminton gespielt, kennst die Regeln, musstest aus beruflichen Gründen umziehen und findest dich jetzt in einer kleinen Stadt an der Travemündung, bei der du dir sicher bist, dass niemand hier in der Provinz überhaupt eine Ahnung hat, dass es diese Sportart namens Badminton überhaupt gibt. Sehr zu deinem Erstaunen erfährst du, dass es da eine Truppe gibt, die tatsächlich regelmäßig Badminton spielt. Du gehst hin. Jemand aus dieser hochmotivierten Gruppe unterhält sich mit dir und findet sehr schnell heraus, dass du ‚vom Fach‘ bist und dich schon auskennst. Er oder sie nimmt dich mit in ein Team und ihr spielt ein Doppel. Du schlägst deinen neuen Mitspielern die Bälle nur so um die Ohren, weil sie längst nicht über deinen Erfahrungslevel verfügen. Erklären braucht dir hier niemand etwas. Nach dem Spiel kommt ein anderer Mitspieler und lädt dich zu einem Doppel mit anderer Zusammenstellung ein und diesmal fliegen dir die Bälle nur so um die Ohren. Der Rest der Geschichte geht so ähnlich weiter wie oben, nur dass du diesmal schon ahnst, dass die Muskeln, von denen du zwar wusstest, dass du sie irgendwo hast, sich nach langer Zeit mal wieder bei dir melden und ihren Anspruch auf den ihnen zustehenden Kater anmelden. 

 

So läuft das bei uns. Learning by doing. Hat bisher total klasse geklappt und wir haben Leute dazwischen, die als blutige Anfänger vor ein paar Jahren bei uns einstiegen. Sie haben schnell die verschiedenen Level nach oben durchgespielt und sind jetzt für uns nahezu unbesiegbare Badmintonhalbgottheiten, die aber trotzdem immer bereit sind, im Rahmen unsere Trainingskonzeptes ‘Learning by Doing‘ ihre Erfahrungen weiterzugeben. Und übrigens: auch das mit den verschiedenen Altersklassen stimmt: es ist tatsächlich alles von 14 bis 74 vertreten. Gleichzeitig und gemischt!

 

Glaubst du nicht? Neugierig geworden? Auch mal unser Trainingskonzept ausprobieren wollen?

 

Samstags von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr in der Sporthalle Rugwisch.

 

20201005 Badminton Beine 

Hier eine typische Körperhaltung eines Neueinsteigers nach der überraschenden Entdeckung der Existenz diverser Muskelpartien, von denen er bisher noch überhaupt keine Ahnung hatte…

 

Ein Bericht von Eckhard Schultz